Judita i Osman kao tipovi epa
Judith and Osman as the types of epic
Author(s): Pavao PavličićSubject(s): Literary Texts
Published by: Hrvatsko filološko društvo
Summary/Abstract: Der Autor vergleicht das Renaissanceepos JUDITA von Marulić mit dem Barockepos OSMAN von Gundulić, indem er sich - mit entsprechender Abgrenzung - der Begriffsoppositionen bedient, die Heinrich Wölfflin für die vergleichende Untersuchung von Werken der Renaissance- und Barockkunst schuf. Er untersucht primär die Formen der Narration und die Struktur des Werks, indem er ähnliche Szenen aus beiden Epen vergleicht; er konstatiert dabei: - Das Epos JUDITA verfügt über die Eigenschaften des LINEAREN, weil in ihm jeder beschriebene Gegenstand darauf verweist, dass er als Ganzes dargestellt wird, während das Epos OSMAN als Charakteristikum das MALERISCHE kennzeichnet, da die Szenen nul' PLASTISCH angedeutet werden; - Als Darstellungsweise ist für das Epos JUDITA die Fläche, für das Epos Osman die Tiefe charakteristisch; in JUDITA existiert im Hintergrund; im OSMAN fehlt diese Kontinuität, nicht dagegen die Parallelität der Ereignisse und damit auch der Hintergrund; - Das Epos Judita ist tektonisch (Merkmal: GESCHLOSSENE FORM), das Epos OSMAN atektonisch (Merkmal: OFFENE FORM): JUDITA weist eine symmetrische Koordination des Werkmaterials auf, die Gesänge stehen in angemessener Relation zueinander; im Osman hingegen nicht; - Das Epos JUDITA charakterisiert die VIELHEIT, weil in ihm jeder Gesang und jede Szene eine autonome und ganzheitliche Einheit darstellt, während das Epos OSMAN durch EINHEITLICHKEIT bestimmt wird, weil die Gesänge und die einzelnen Szenen fest miteinander verbunden sind; die Kenntnis der einen setzt das Verstehen der anderen voraus; - Typisch für das Epos JUDIT A ist die Kategorie der KLARHEIT, weil in ihm alles aus einer Perspektive, der Perspektive des Autors, dargestellt wird, während im OSMAN die Kategorie der UNKLARHEIT dominiert, weil Teile der Handlung durch das Bewusstsein einiger Werkfiguren, die Handlungsträger sind, vermittelt werden. Diese Unterschiede erklärt der Verfasser aus der Tatsache, daß beide Epen zwei verschiedenen Poetiken, der Renaissancepoetik und der Barockpoetik, gehören und grundverschiedene literarische Verfahren verwenden, Verfahren, die die einzelnen Werkelemente dieser Epen strukturieren. Aus diesem Grunde ist auch ihr Verhältnis zum Epos Vergils, dem gemeinsamen Vorbild, grundverschieden. Abschliessend konstatiert der Verfasser, dass die Epen Judita und Osman ein vollkommen verschiedenes Verhiiltnis zur Wirklichkeit und zur Literatur auszeichnet, weswegen sie auch als zwei grundverschiedene Formen des Epos anzusehen sind.
Journal: Umjetnost riječi
- Issue Year: 1976
- Issue No: 4
- Page Range: 433-466
- Page Count: 34
- Language: Croatian
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