Станковићева рецепција у немачкој тридесетих година: између егзотизације и идеолошке интрументализације
Stanković’s reception in Germany in the Thirties: Between Exoticization and Ideological Instrumentalization
Author(s): Robert HodelSubject(s): Language and Literature Studies, Studies of Literature, German Literature, Serbian Literature, Sociology of Literature
Published by: Институт за књижевност и уметност
Keywords: Unreines Blut; Rezepzion; deutsche Literaturszene; dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts; völkische Ideologie; Neoprimitivismus; Exotisierung des Balkans; Kulturpolitik; Nazionalsozialismus; literarische Interpretation
Summary/Abstract: Der vorliegende Beitrag untersucht, wie das Werk von Borisav Stanković in den 1930er Jahren in Deutschland gelesen und interpretiert worden ist. Ein besonderes Augenmerk gilt der Übersetzung des Romans Nečista krv – Hadschi Gajka verheiratet ihr [sein] Mädchen – aus dem Jahr 1935 und seinen kritischen und kommentierenden Begleittexten. Stanković wird hier vorwiegend als Autor von „Balkantypen“ (balkanski tipovi) präsentiert, wobei sich sein Werk nahtlos in die ideologischen Darstellungen des Balkan als Raum des Primitiven, Exotischen und volkstümlich (”völkisch”) Authentischen einfügt. Diese Lesart gründet sich einerseits auf den avantgardistischen Ideen einer ”neoprimitivistischen” Erneuerung der Zivilisation, andererseits bereits auch auf einer Philosophie des ”Bluts und Bodens”, die in den dreißiger Jahren immer deutlicher die Avantgarde überlagert und verdrängt. Auch wenn beide Betrachtungen, die „exotische“ wie die „völkisch-nationalistische“, noch durchaus positiv ausfallen, birgt die letztere bereits ein negatives, wenn auch noch nicht ausgesprochenes Potential in sich – der ”primitive Balkanmensch” nicht als Hort der Erneuerung der Zivilisation, sondern als Ausdruck der Verrohung und Degeneration. Beide Lesarten berufen sich auf Stankovićs poetologische Ausrichtung auf das emotionale und ”instinktive” Leben der Figuren, missachten aber, dass in seinem Werk die nationale (kollektive) Identität keine relevante Kategorie darstellt. Im Gegenteil, Stanković fokussiert maßgeblich das Individuelle, und damit auch die universellen Aspekte der menschlichen Natur. Die deutsche Rezeption Stankovićs der 1930er Jahre erweist sich somit als ein Beispiel, wie ein literarisches Werk in ideologische Rahmenbedingungen eingebunden wird, die die gegebene Poetik transzendieren und missachten, und wie damit die Bedeutung eines Werks nach den vorherrschenden kulturellen und politischen Modellen neu gestaltet wird.
Journal: Књижевна историја
- Issue Year: 58/2026
- Issue No: 189
- Page Range: 11-23
- Page Count: 13
- Language: Serbian
