"Normalisierte" Kulturpolitik in der Tschechoslowakei
"Normalized" Cultural Policy in Czechoslovakia

Author(s): Author Not Specified
Subject(s): History
Published by: CEEOL Collections / Digital Reproductions

Summary/Abstract: Nach dem fast "hundertprozentigen" Wahlsieg des Husák-Regimes Ende November 1971 wird die Lage in der Tschechoslowakei als "konsolidiert" angesehen und ausgegeben. Der einzige Bereich, in dem die "Normalisierung und Konsolidierungspolitik der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei" immer noch auf Widerstand stößt und nur schwerlich positive Ergebnisse aufzeigen kann, ist das kulturelle Geschehen. Immer noch überwiegen in der Kulturpolitik harte administrative Maßnahmen. Zunächst wurde die vollkommene Zensur wieder eingeführt, die einzelnen Künstlerverbände wurden als letzte "Festung des rechten Opportunismus" aufgelöst und die Künstler, die in Opposition zum Regime stehen, werden mit Arbeitsverbot belegt, ihre Werke werden aus den Büchereien entfernt. Trotz des schon mehr als ein Jahr währenden Bemühens des Regimes, neue, "gesäuberte" Künstlerverbände zu gründen, entstehen lediglich nichtrepräsentative, aus ausgewählten Kadern zusammengesetzte Vereine, in denen nahezu alle bekannten Namen von tschechoslowakischen Künstlern fehlen. Am augenscheinlichsten ist diese Situation auf dem Gebiet der Literatur und des Filmschaffens, also gerade in jenen Bereichen, in denen die tschechoslowakische Kunst in den sechziger Jahren große internationale Erfolge aufzuweisen hatte. Der französische kommunistische Schriftsteller Louis Aragon - dessen sämtliche Werke Anfang Januar 1972 in der CSSR verboten wurden - bezeichnete eben deshalb die Lage in der Tschechoslowakei von heute als "Biafra des Geistes".

  • Issue Year: 1972
  • Issue No: 05-Archiv
  • Page Range: 328-348
  • Page Count: 21
  • Language: German