Wem gehört die Interkulturalität? Über das Verhältnis von linguistischen Teildisziplinen und Kulturforschung
Who Owns Interculturality? The Relationship Between Linguistic Subfields and Cultural Studies
Author(s): Csaba FoldesSubject(s): Language and Literature Studies, Studies of Literature
Published by: Oficyna Wydawnicza ATUT – Wrocławskie Wydawnictwo Oświatowe
Keywords: language and culture; interculturality; linguoculturology; cultural linguistics; intercultural linguistics
Summary/Abstract: Ausgangspunkt des Aufsatzes ist die Erkenntnis, dass Sprache durchaus ein vielschichtiges Phänomen darstellt und eine kognitive, kulturelle und formale Komponente umfasst. In diesem Rahmen fokussiert er systematisch auf das Beziehungsgefl echt von Kultur, Sprache und kommunikativem Handeln mit besonderer Berücksichtigung des mehrdimensionalen, dynamischen und subtilen Phänomens Interkulturalität sowie auf ihre linguistische Erfassung. Einleitend wird erörtert, auf welche Weise die Konnektivität von Sprache und Kultur in unterschiedlichen Bereichen des Wissenschaft sdiskurses Berücksichtigung fi ndet. Anschließend stehen kulturorientierte linguistische Ansätze im analytischen Brennpunkt und drei aktuelle – jeweils andersartige – Forschungsrichtungen werden mittels einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem inhaltlichen Profi l in den Blick genommen, nämlich (a) die russisch-postsowjetische Linguokulturologie (LK), (b) die angelsächsische Cultural Linguistics (CL) und (c) die primär germanistische, spezifi sch interkulturalitäts- bzw. mehrsprachigkeitsbezogene, Interkulturelle Linguistik (IL). Es hat sich gezeigt, dass das behandelte Forschungsfeld durch recht verschiedene Prämissen, Th eoriebasen und Methoden gekennzeichnet ist. Eine allgemeine Übereinstimmung ist jedoch, dass sie alle eine Beschreibung von Sprache als kulturelles Phänomen und von Kultur als sprachliches Phänomen zum Ziel haben, wobei sich z. B. die CL zentral auf den Einfl uss der Kultur auf die Sprache konzentriert, wohingegen die LK schwerpunktmäßig die Auswirkung der Sprache auf die Kultur untersucht, während die IL demgegenüber die Inter- bzw. Transkulturalität zum Angelpunkt ihres Begriff sverständnisses macht. Auch die jeweils zugrundeliegenden Kulturbegriff e scheinen erheblich zu diff erieren: Während die CL und besonders die IL dezidiert mit einem dynamischen semiotisch-konstruktivistischen Kultur- und Sprachverständnis arbeiten, tritt aus linguokulturologischen Publikationen zumeist ein statisches essenzialistisch-normatives Bild von Kultur und Sprache hervor. Die disziplinäre Situierung und die inhaltlichen Dispositionen unterscheiden sich ebenfalls: Die CL und die LK weisen eine markante kognitive Orientierung auf, während sich die IL stärker auf kontrastiv-linguistische und kulturwissenschaft liche Fundamente stützt. Insgesamt gilt, dass sich noch keiner der exemplifi zierten Ansätze zu einer wirklich kompletten Th eoriematrix zusammenfügen und weitgehende theoretische Kohärenz erreichen konnte. Alles in allem stehen die CL und die LK einander am nächsten; in beiden nimmt die Konzeptualisierungsproblematik – wenn auch mit z. T. unterschiedlicher Modellbasis – viel Raum ein.
Journal: Linguistische Treffen in Wrocław
- Issue Year: 26/2024
- Issue No: 2
- Page Range: 33-60
- Page Count: 28
- Language: German
